Zwei der wichtigsten generativen Suchplattformen im Vergleich. Wie sie Quellen auswählen und was das für GEO-Strategien bedeutet.
Perplexity.ai ist aus GEO-Perspektive das interessanteste System weil es gleichzeitig das transparenteste ist. Jede Antwort kommt mit nummerierten Quellenangaben die direkt im Text verlinkt sind. Das macht es als Testlabor unschlagbar: Man sieht sofort welche Seiten zitiert werden und kann die Muster über Zeit beobachten.
Perplexity betreibt einen eigenen Webcrawler namens PerplexityBot. Das ist relevant weil es bedeutet dass Seiten aktiv gecrawlt werden müssen um in den Quellen aufzutauchen. Seiten die Crawl-Zugang sperren oder sehr langsam laden haben strukturelle Nachteile. Technische Basis ist also nicht optional.
Nach Beobachtungen aus dem GEOinside-Test-Protokoll bevorzugt Perplexity bei aktuellen Themen sehr frische Quellen, teils aus den letzten Tagen. Bei zeitloseren Fragen wird stärker auf etablierte Domains gesetzt. Die Mischung aus Aktualität und Domainreputation scheint das entscheidende Sortierkriterium zu sein.
Perplexity hat inzwischen 45 Millionen aktive Nutzer und verarbeitet über 780 Millionen Suchanfragen monatlich. Das ist noch weit unter Google aber deutlich genug um ernst genommen zu werden, besonders im englischsprachigen und technologieaffinen Umfeld.
ChatGPT Search ist Ende 2024 gestartet und hat die Dynamik im Markt verändert. Nicht weil das Produkt technisch überlegener ist als Perplexity sondern weil es auf einer Nutzerbasis von über 200 Millionen aktiven ChatGPT-Nutzern aufsitzt. Die Distribution ist das eigentliche Asset.
Aus GEO-Perspektive ist ChatGPT Search schwieriger zu testen als Perplexity. Die Quellenangaben sind weniger prominent, teils nur auf Nachfrage sichtbar und die Auswahl wirkt weniger deterministisch. Dieselbe Frage an zwei verschiedenen Tagen kann zu völlig unterschiedlichen Quellensets führen.
Was Analysen zeigen: Wikipedia ist bei faktischen Anfragen überproportional stark vertreten, laut frase.io-Auswertung in 47,9% der ChatGPT-Antworten auf Faktenfragen. Das deutet auf eine starke Gewichtung von Linkdichte und Bekanntheitsgrad hin. Für kleinere Websites ist das eine hohe Hürde bei faktischen Definitionen und Basisfragen.
Interessanter sind Nischenanfragen. Bei spezifischen Themen die Wikipedia nicht tief abdeckt haben spezialisierte Quellen bessere Chancen. Das spricht für Tiefe statt Breite: lieber ein Thema wirklich gut abdecken als viele Themen oberflächlich.
„ChatGPT hat Bing 2024 nach täglichen Besucherzahlen überholt. Das ist kein kleines Signal. Es ist der Moment wo eine neue Suchplattform Mainstream wird."
Perplexity: Transparente Quellenangaben, eigener Crawler, gut für manuelle Tests geeignet, Fokus auf Aktualität. ChatGPT Search: Größere Reichweite, weniger transparente Quellenauswahl, Wikipedia-Bias bei Faktenfragen, besser bei spezifischen Nischenthemen testbar. Empfehlung: Beide beobachten aber für erste Tests Perplexity priorisieren.